24. Nov. 1979

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Grossdemo in Bassersdorf für eine Umfahrung des Dorfkerns. Mehrere Hundert Personen gehen auf die Strasse für eine neue Strasse. Leider wird die Umfahrung nicht gebaut ....
1979, das ist die Zeit als ABBA noch live auf der Bühne stehen und es am Flughafen noch keinen Bahnhof gibt. An einem gemäss Archiv "frostigen Tag im Spätherbst 1979" gibt es den lautesten und meist beachteten Hilfeschrei der Bassersdorf Bevölkerung für eine Umfahrung für unser bereits dazumal verkehrsgeplagte Dorf.

Schon in jenen Jahren war es eher unüblich für ein Strassenprojekt zu demonstrieren.

Die Ursachen
1974 hatte der Regierungsrat und Baudirektor des Kantons Zürich, Alois Günthard, den Bassersdorfern an einer Versammlung vor Ort eine Umfahrung versprochen, wenn der Souverän der Verlegung des Bahnhofs aus der Dorfmitte an den südlichen Dorfrand zustimmen würden. Die bereits fertig ausgearbeitete Ringstrasse zur Dorfkernentlastung wäre der neuen Flughafenlinie in die Quere gekommen.
Der Züribieter schrieb: "Wohl einzig wegen des durch den damaligen Baudirektor abgegeben Versprechens, dass gleichzeitig mit der Inbetriebnahme der Flughafenlinie der SBB auch eine Hochleistungsstrasse Kloten - Brütisellen realisiert werde, erklärten sich die Bassersdorfer damit einverstanden, auf ihr Ringstrassenprojekt zu verzichten und der Bahnhof Verlegung an die Südperipherie des Dorfes zuzustimmen".

Vier Monate vor der «Bahnhof-Züglete» vom März 1980, wie es die NZZ nannte, kam es zur grossen Demo. Es hatte sich viel getan, «allein in Sachen Umfahrung ist nichts geschehen», schrieb der «Zürichbieter». Deshalb hatte der Gemeinderat höchstselbst zur Protestaktion aufgerufen. Um elf Uhr setzte sich also ein langer Umzug in Bewegung. Es ging vom (alten) Bahnhof, wo heute der Coop steht, über die Baltenswilerstrasse und Löwenkreuzung zum Platz hinter dem alten Schulhaus am heutigen Kreisel.

Man stellte sich einem Teil der 14000 Autos, die täglich durchs Dorf rollten, in den Weg (aktuell rund 18000) und wollte so zeigen, dass diese Masse besser ums statt durchs Dorf rollen sollte. Manche hatten gar Gasmasken aufgesetzt, um auf die Luftverpestung aufmerksam zu machen. Nicht wenige Demonstranten hätten mit Transparenten, Musikinstrumenten und selbst gebastelten Fahrverbotsschildern absichtlich etwas länger auf der viel befahrenen Kreuzung verharrt, heisst es. Darauf hätten sich sofort lange Autoschlangen bis weit übers Dorf hinaus gebildet.

An jenem Novembersamstag 1979  wurden aber auch Reden gehalten und auf dem Schulhausplatz eine Resolution mit Forderungen verabschiedet. Nebst den Gemeindevertretern waren auch mehrere Kantonsräte aktiv dabei, darunter der damalige Walliseller Gemeindepräsident Paul Remund oder Erhard Szabel, der damalige Chefredaktor des «Zürichbieters».

Zwei der Beteiligten erinnern sich noch heute bestens an diesen Tag. Als amtierende Gemeinderäte waren sie quasi die Urheber dieses öffentlichen Aufschreis. Der freisinnige Franz Wyss (87) sagt: «Wir hatten uns tüchtig eingesetzt für die Umfahrung, aber es gab dann Beamte mit viel Einfluss beim Kanton, die unser Anliegen nicht für dringlich genug erachteten.» Inzwischen hat der damalige Hochbauvorsteher die Hoffnung praktisch aufgegeben, obwohl er eine Umfahrung noch immer eine gute Sache findet.

Der damaliger Gemeinderatskollege und Tiefbauvorsteher Frieder Schneider (77) (ex SP / heute EVP) wird schon deutlicher: «Als die SBB ihr Projekt bekommen hatten, gings mit der Umfahrung nicht mehr weiter.» Zudem sei der Regierungsrat, der den Bassersdorfern eine Umfahrung versprochen hatte, verstorben. Sein Nachfolger sei dann viel weniger mutig, ja eher bedächtig vorgegangen. «Wir waren fest überzeugt, dass die Umfahrung kommt. Aber vielleicht hat man die vollmundigen Versprechen auch zu leichtgläubig aufgenommen, weil wir dachten, das sei ein ‹Selbstläufer›.» Schneider findet es immer noch dringend nötig, dass das Dorf eine Verkehrsentlastung bekommt. Er wünschte sich heute zuweilen etwas mehr Engagement des Gemeinderats und der bald drei Bassersdorfer Kantonsräte. Denn das Verkehrsproblem sei nach wie vor nicht gelöst.


Quelle: Christian Wüthrich im ZU vom 22. Nov. 2019